Finanzen und Spenden

Die meisten Flüchtlingsarbeitskreise zahlen ihren Mitgliedern keine Aufwandsentschädigung, da es sich um eine freiwillige Tätigkeit handelt. Manche Arbeitskreise erstatten auch keine Auslagen.

Wenn der Flüchtlingsarbeitskreis ein Spendenkonto besitzt und über Spendengelder verfügt oder Zuschüsse von der Kommune erhält, kann es jedoch Sinn machen, den Mitgliedern Auslagen zu ersetzen, etwa für Fahrtkosten und Material oder für Weiterbildungsveranstaltungen. Dies sollte im Arbeitskreis diskutiert, das Vorgehen beschlossen und schriftlich festgehalten werden. Ebenso sollte in diesem Fall aus dem Infomaterial des Arbeitskreises (Flyer, Internetseite) deutlich hervorgehen, dass Spendengelder sowohl für die Flüchtlinge selbst als auch für die Tätigkeit des Arbeitskreises verwendet werden.

 

Erkundigen Sie sich bei Ihrer Kommune und bei den Kirchen nach Fördermöglichkeiten für Flüchtlingsarbeitskreise. In Stuttgart kann über die Träger der Unterkünfte oder die Kirchen ein Zuschuss für Freizeitaktivitäten mit Flüchtlingen beantragt werden, der von der Bürgerstiftung und einem Unternehmen finanziert wird.

 

Private Unterstützung in Form von Geldspenden ist dann nötig, wenn keine öffentlichen Mittel zur Verfügung stehen. So kann es hilfreich sein, Fahrtkosten, Eintritte oder Material für Projektgruppen (Handarbeiten, Kochen, Gartengestaltung etc.) durch Spenden zu finanzieren.

Hinweis: Am flexibelsten sind Sie, wenn die Spenden bei Ihnen nicht zweckgebunden eingehen. Das heißt, Sie können je nach Bedarf entscheiden, wofür Sie das Geld einsetzen.

Die Erfahrung zeigt, dass gerne gespendet wird, wenn eine Initiative gut vernetzt und ihre Arbeit in der Region bekannt ist.

Spenden (Geld-, Sach- oder Aufwandsspenden) an gemeinnützige Körperschaften (zum Beispiel Vereine) sind grundsätzlich steuerlich absetzbar. Spenden sind Zuwendungen, die erbracht werden, ohne dass eine Gegenleistung erwartet wird.

 

So gehen Sie am besten vor:

Schaffen Sie eine gute Grundlage

  • Stellen Sie ein Team zusammen, das die Öffentlichkeitsarbeits- und Fundraising-Aktivitäten koordiniert. Legen Sie fest, bei wem die Hauptverantwortung liegt.
  • Klären Sie, welches Geld- und Zeitbudget für Ihre Aktivitäten zur Verfügung stehen.
  • Richten Sie ein Konto für Spenden ein und legen Sie ein Stichwort für die Geldzuwendungen fest.
  • Klären Sie, wie viel Geld Sie brauchen und für was. Spenden sammeln geht am besten über die Vorstellung einzelner Projekte und Schicksale.
  • Legen Sie eine Verwendungsrichtlinie für die eingehenden Spenden fest.
  • Weitere Informationen: Vorbildlich hat dies der Freundeskreis Flüchtlinge Plieningen-Birkach umgesetzt: www.freundeskreis70599.de/Spenden.
  • Helfen Sie den Menschen, den Bedarf an Hilfe sowie die Schicksale der Flüchtlinge zu verstehen. Gewinnen Sie dafür die lokale Presse sowie lokale Radio- und Fernsehsender als Mitstreiter.
  • Legen Sie eine Ansprechperson für die Presse fest.
  • Vermitteln Sie den Redaktionen Kontakte zu Flüchtlingen und Engagierten.
  • Beachten: Behandeln Sie die Flüchtlinge respektvoll. Nicht jeder erzählt gerne seine persönliche Geschichte. Führen Sie daher eine Liste, in der die Flüchtlinge schriftlich ihre Erlaubnis zur Veröffentlichung erteilen. Dies gilt auch für Fotos sowie für die Nennung des Vor- und Nachnamens.
  • Bieten Sie Berichte und Fotos von Ihren Aktivitäten an.
  • Laden Sie die Redakteurinnen und Redakteure zu Veranstaltungen ein.
  • Menschen helfen gerne, wenn sie die Not erkennen und direkt angesprochen werden. Berichten Sie daher im Freundes- und Bekanntenkreis sowie in den sozialen Medien über Ihre Arbeit.
  • Veranstalten Sie ein Willkommens- oder Nachbarschaftsfest, zu dem jeder eingeladen ist.
  • Machen Sie – nach Abstimmung mit den Veranstaltern – einen Infostand, zum Beispiel auf dem Wochenmarkt oder beim Stadtfest.
  • Halten Sie Vorträge über Ihre Arbeit, zum Beispiel in der Kirchengemeinde, im Bürgerhaus, in der Schule oder beim Jugendtreff.
  • Werden Sie Mitglied in örtlichen oder regionalen Vereinigungen, um sich zu vernetzen.
  • Erstellen Sie einen E-Mail-Verteiler von allen Kontakten und bitten Sie um Erlaubnis, sie in wichtigen Fällen informieren zu dürfen, zum Beispiel im Rahmen einer Kampagne. Fragen Sie alle akquirierten Kontakte nach weiteren empfehlenswerten Kontakten zur Unterstützung und für den E-Mail-Verteiler.
  • Fragen Sie alle akquirierten Kontakte nach weiteren empfehlenswerten Kontakten zur Unterstützung und für den E-Mail-Verteiler.
  • Nutzen Sie bei allen Kommunikationsaktivitäten ihr Informationsmaterial und benennen Sie die benötigten Spendenbeträge.
  • Erstellen Sie eine Liste mit den Kontaktdaten aller Menschen, Organisationen und Unternehmen, die Sie kennen und von denen Sie sich vorstellen können, dass sie helfen.
  • Sprechen Sie potenzielle Fürsprecher mit entsprechenden Netzwerken an, beispielsweise lokale Vereine. Am effektivsten ist die persönliche Ansprache. Nennen Sie das Spendenziel, die Höhe der benötigten Spenden sowie den Zeitraum, in dem Sie dies erreichen müssen.
  • Geben Sie eine Pressemitteilung an die örtliche Presse heraus, in der Sie diese Punkte ebenfalls darstellen.
  • Visualisieren Sie den Spendenbedarf an zentraler Stelle, zum Beispiel durch einen „Spendenbaum“, an dem Spendenwünsche hängen und der sich im Laufe der Kampagne verändert.
  • Weisen Sie in allen internen und externen Veranstaltungen auf die Spendenkampagne hin. Nennen Sie den benötigten Betrag und sagen Sie, wie viel bereits eingegangen ist.
  • Sprechen Sie gezielt Unternehmen aus der Region an. Denken Sie dabei auch an Ihren Arbeitgeber. Bieten Sie an, ein Engagement durch Berichterstattung auf der Internetseite oder in der Presse zu begleiten. Unternehmen möchten oft, dass ihre guten Taten auch bekannt werden.
  • Fragen Sie bei den Unternehmen nach, ob sie an Social Days teilnehmen oder ob sie Programme aufgelegt haben, um das Engagement ihrer Mitarbeitenden zu unterstützen.


Gelungenen Beispiele: www.fundraising-knigge.de
Portal mit Tipps für kleine Fundraising-Projekte: www.fundraising-evangelisch.info/praxistipps
Regionales Fundraising in Kirchengemeinden: Liebs, Helmut: Damit die Kirche im Dorf bleibt: Fundraising. 55 beste Beispiele aus Württemberg, Stuttgart 2010
Fundraising-Standardwerk: Fundraising Akademie (Hrsg.): Fundraising. Handbuch für Grundlagen, Strategien und Instrumente, Gabler Verlag, Wiesbaden 2008, 4. Auflage

 

Als gemeinnütziger Verein kann man beim Amtsgericht seiner Stadt um die Zuweisung von Bußgeldern bitten! Nehmen Sie dazu Kontakt mit dem Amtsgericht auf und stellen Sie Ihren Verein und Ihre Projekte schriftlich und idealerweise auch persönlich vor.

 

Wer darf Spendenbescheinigungen ausstellen?

 

Um Spendenbescheinigungen, genauer gesagt Zuwendungsbestätigungen, ausstellen zu können, muss eine Organisation als steuerbegünstigt anerkannt sein, weil sie gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Zwecke verfolgt. Als Flüchtlingsarbeitskreis haben Sie folgende Möglichkeiten:

  • Gründen Sie einen Verein und beantragen Sie beim Finanzamt die Anerkennung der Gemeinnützigkeit. Sie erhalten dann einen Freistellungsbescheid, der Sie berechtigt, Zuwendungsbestätigungen auszustellen.
  • Kooperieren Sie mit einer bereits als gemeinnützig anerkannten Organisation, die zu Ihrer Initiative passt, zum Beispiel mit einer Kirchengemeinde oder einem Verein. Nutzen Sie deren Konto oder legen Sie ein Unterkonto an und vereinbaren Sie ein Spendenstichwort, sodass Sie eindeutig erkennen können, für wen die Spende bestimmt ist. Eventuell können Sie auch die Buchhaltung des Kooperationspartners in Anspruch nehmen, etwa zur Verbuchung der Einnahmen und Ausgaben sowie zur Erstellung der Zuwendungsbestätigungen.

Hinweis: Bei steuerlichen Fragen, speziell zu Fragen der Gemeinnützigkeit und Satzung, helfen Ihnen die für die Vereinsbesteuerung zuständigen Sachbearbeitenden des jeweils zuständigen Finanzamtes in einem persönlichen Beratungsgespräch weiter. Sie können sich mit Ihren Fragen aber auch an eine Steuerberaterin oder einen Steuerberater wenden.

Eine Zuwendungsbestätigung müssen Sie bei Spenden über 200 Euro ausstellen. Unter 200 Euro kann der Spendende seine Gabe dem Finanzamt per Kontoauszug nachweisen und

so steuerlich absetzen.

(Quelle: Handbuch für die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe in BW | Herausgeber: Staatsministerium BW)


Ab dem 1. August 2015 bis zum 31. Dezember 2016 gelten folgende neue Regelungen:


Für Spenden auf Sonderkonten von Hilfsorganisationen zur Flüchtlingshilfe genügt als Spendennachweis der Bareinzahlungsbeleg, der Kontoauszug der Bank oder beim Online-Banking der PC-Ausdruck – unabhängig von der Höhe des Betrags. Bisher brauchte man als Nachweis für Spenden über 200 Euro eine Zuwendungsbestätigung der betreffenden Organisation.

Alle gemeinnützigen Organisationen dürfen unabhängig von ihren eigentlichen Satzungszwecken Spenden für Flüchtlinge sammeln. Sie müssen jedoch auf diese Sonderaktion hinweisen.

Alle gemeinnützigen Organisationen dürfen ihre bisher unverbrauchten Mittel zur Unterstützung von Flüchtlingen verwenden. Einzige Einschränkung: Diese Mittel dürfen vom Spendenden nicht für einen anderen Verwendungszweck bestimmt sein.

Eine Arbeitslohnspende, bei der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf einen Teil ihres Lohnes verzichten, bleibt steuerfrei, wenn der Arbeitgeber sie an eine gemeinnützige oder mildtätige Einrichtung zugunsten der Flüchtlingshilfe überweist.

Schenkungen sind von der Schenkungsteuer befreit, wenn sie zu ausschließlich mildtätigen Zwecken zugunsten der Hilfe für Flüchtlinge bestimmt sind.

(Quelle: www.fluechtlingshilfe-bw.de)

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